Jana Spegel: Ein Ausnahmetalent schafft es zu den Paralympics
2019 besuchte Jana Spegel einen inklusiven Trainingstag und entdeckte eher zufĂ€llig ihre Leidenschaft fĂŒr Para Tischtennis. Einmal ausprobiert, war die 21-JĂ€hrige allerdings sofort Feuer und Flamme. Sie schaffte im Eiltempo den Sprung ins Nationalteam und in nur vier Jahren die Qualifikation fĂŒr die Paralympics in Paris. In der zusammengelegten Wettkampfklasse (WK) 1 und 2 startet sie in der Einzel-, Doppel- und Mixed-Konkurrenz.
Ein Traum wird wahr
Die sportliche Reise von Jana Spegel ist so unglaublich wie bewundernswert. Manchmal kann sie es selbst kaum glauben, was ihr da gelungen ist. 2021 bei den Spielen in Tokio hat sie die WettkĂ€mpfe noch vor dem Fernseher verfolgt. "Ich habe mir nachts den Wecker gestellt und der deutschen Mannschaft die Daumen gedrĂŒckt", erinnert sich Spegel und lĂ€chelt. Die Paralympischen Spiele seien zu diesem Zeitpunkt noch so weit weg gewesen, "ich habe nicht mal im Ansatz davon getrĂ€umt oder fĂŒr möglich gehalten, dass ich drei Jahre spĂ€ter selbst dabei sein könnte".
In Paris wird sie nun tatsĂ€chlich das Trikot der Nationalmannschaft tragen und gehört zur neunköpfigen deutschen Para Tischtennis-Auswahl, die vom 29. August bis 7. September um Medaillen kĂ€mpft. "Das alles ist schon ziemlich aufregend. Man merkt, wie in den vergangenen Wochen der Trubel und die Aufmerksamkeit zugenommen haben", sagt die gebĂŒrtige Stuttgarterin. Allein die Einkleidung in DĂŒsseldorf und die damit verbundene Anprobe der Paralympics-Outfits hĂ€tten sie total "geflasht". "Das war groĂartig, ein WahnsinnsgefĂŒhl, in der Messehalle auf die vielen Athletinnen und Athleten zu treffen und erstmals die Kleidung in den HĂ€nden zu halten. SpĂ€testens in dem Moment spĂŒrt man: Jetzt geht's Richtung Paris."
Der Beginn einer Leidenschaft
LĂ€ngst hat die heiĂe Phase der Vorbereitung begonnen fĂŒr die junge Athletin, die vor knapp viereinhalb Jahren im Rahmen eines Schnuppertrainings auf Para Tischtennis aufmerksam geworden ist. "Das war recht lustig. Ein Trainer aus meinem Rollstuhlbasketballverein und ein damaliger Internatsbewohner unserer Wohngruppe haben mich unabhĂ€ngig voneinander gefragt, ob ich zu einem inklusiven Trainingstag mitkommen und mir das mal anschauen möchte. Ich dachte: Wenn mich schon zwei Leute fragen, dann mach ich das mal", erinnert sich Spegel. Bis dahin habe sie allenfalls in der Freizeit gespielt. Vom Para Tischtennis als Sport war sie allerdings sofort begeistert.
Sport als Lebensinhalt
Sport spielt im Leben von Jana Spegel seit jeher eine wichtige Rolle. Als Kind begann sie mit Handball - spĂ€ter stieg sie in Folge ihrer neuromuskulĂ€ren Erkrankung, die ihr das Laufen zunehmend erschwerte, auf Rollstuhlbasketball um. Inzwischen hat die junge Sportlerin mit Para Tischtennis die ideale Sportart fĂŒr sich gefunden. ZunĂ€chst ĂŒber die Schul-AG fĂŒhrte sie ihr Weg direkt in den Verein, wo Spegels Talent nicht lange verborgen blieb. Schon 2021 wurde sie deutsche Vizemeisterin der Jugend (Wettkampfklasse 1-3), es folgte die Berufung in die Nationalmannschaft - und inzwischen tritt sie fĂŒr Tischtennis Frickenhausen in der 2. Bundesliga im Rollstuhl-Tischtennis an.
Jana Spegel Paralympics Para Tischtennis: Ein auĂergewöhnliches Talent
"Dass es jemand in vier Jahren zu den Paralympics schafft, ist eine Seltenheit." "Jana ist zwar erst recht frisch dabei, hat sich aber in kurzer Zeit unheimlich entwickelt. Ihre rasante Leistungssteigerung ist wirklich auĂergewöhnlich", betont Volker Ziegler. Der Bundestrainer schwĂ€rmt von den FĂ€higkeiten der jungen Nationalspielerin: "Dass es im Para Tischtennis jemand in knapp vier Jahren zu den Paralympics schafft, ist eher die Seltenheit. Sie ist ein echtes Ausnahmetalent."
Mit WM-Bronze 2022 und EM-Silber im vergangenen Jahr hat die 21-JĂ€hrige auf internationaler BĂŒhne bereits zwei groĂe sportliche Ausrufezeichen gesetzt. Insbesondere das gute Abschneiden bei der Europameisterschaft bezeichnet Spegel als wichtigen Meilenstein. "Ich habe in diesem Jahr gegen alle Konkurrentinnen in meiner Wettkampfklasse gewonnen. Das hat mir enormes Selbstbewusstsein gegeben", betont sie. Mit den Erfolgen gegen die Top-Spielerinnen wuchs bei Spegel nicht nur der Glaube an die eigenen FĂ€higkeiten, es reifte mehr und mehr auch die Ăberzeugung, dass sie es tatsĂ€chlich zu den Paralympics schaffen kann. "Als die Qualifikationskriterien im FrĂŒhjahr veröffentlicht wurden, dachte ich: Das ist machbar, auch wenn es noch ein schwieriger Weg wird."
Schule und Sport: Eine perfekte Balance
Scheinbar mĂŒhelos meisterte Spegel im WM-Jahr auch ihr Abitur an der Stephen-Hawking-Schule in NeckargemĂŒnd und bewies, dass Schule und Sport durchaus vereinbar sind. Als Jahrgangsbeste schloss sie mit 1,0 ab - seit dem Wintersemester 2022/2023 studiert sie Medizintechnik an den UniversitĂ€ten TĂŒbingen und Stuttgart und hat dort beste Voraussetzungen, Studium und Training miteinander zu kombinieren. Die UniversitĂ€t kommt der Sportlerin dabei sehr entgegen. "Ich habe vergleichsweise wenige PrĂ€senztage. Das ermöglicht es mir, intensiv zu trainieren und mich auf ein solches Highlight wie die Paralympics bestmöglich vorzubereiten."
Das tĂ€gliche Training und die guten Bedingungen hĂ€tten ihre Entwicklung positiv beeinflusst, betont auch Bundestrainer Volker Ziegler, der voll des Lobes ĂŒber seine Spielerin ist: "Sie ist ein intelligentes und fĂŒr ihr Alter bereits sehr aufgerĂ€umtes MĂ€dchen. Sie weiĂ, was sie will - auch am Tisch. Ihr Spiel verfĂŒgt ĂŒber eine sehr hohe VariabilitĂ€t, sie ist fĂŒr ihre Gegnerinnen schwer auszurechnen."
Umklassifizierung vor drei Monaten: Keine Auswirkung auf die Paralympics
Vor knapp drei Monaten gab es allerdings einen kleinen RĂŒckschlag: Spegel wurde von Wettkampfklasse 1 in 2 umklassifiziert - hier gilt: je niedriger die Wettkampfklasse, desto gröĂer die BeeintrĂ€chtigungen. Das sorgte so kurz vor dem groĂen sportlichen Höhepunkt noch einmal fĂŒr Unsicherheit. GlĂŒcklicherweise hat diese VerĂ€nderung mit Blick auf ihre Teilnahme in Paris keine Auswirkung, weil im paralympischen Turnier WK 1 und 2 in einem Wettkampf starten. "Als klar war, dass meine Qualifikationsleistung Bestand hat, war das alles, was ich wollte", betont die Para Tischtennisspielerin.
Was ihre neue Klasse und damit verbunden die deutlich stĂ€rkere Konkurrenz langfristig fĂŒr sie bedeuten, daran denkt sie erst einmal nicht. Sportlich wird sie es nach der Umklassifizierung gegen die Kontrahentinnen mit geringeren BeeintrĂ€chtigungen wohl deutlich schwerer haben. "In der WK 1 reicht es manchmal aus, einen guten Ball zu spielen. In der WK 2 muss ich schon viele gute BĂ€lle spielen, um einen Punkt zu machen. Die Ballwechsel sind lĂ€nger, die QualitĂ€t höher, es ist schwieriger zum Punkt zu kommen", erklĂ€rt Spegel, die darin aber zugleich eine Herausforderung sieht. Auch deshalb fĂ€llt es schwer, eine Prognose hinsichtlich ihrer Chancen in Paris abzugeben. "Die WK 2 ist sicher stĂ€rker, aber man weiĂ nie. Viele Spielerinnen kenne ich noch gar nicht. Hinzu kommt, dass wir direkt im K.o.-System starten, dort kann alles passieren."
Ein Abenteuer in Paris
Spegels wĂŒnscht sich ein gutes Los zu Beginn, das den Turnierstart erleichtert. Ihr persönliches Ziel: "Ich möchte meine Leistung abrufen, dem Druck standhalten und die besondere AtmosphĂ€re auch ein StĂŒck weit genieĂen", sagt die Stuttgarterin. Dazu gehöre auch, bei anderen Sportarten vorbeizuschauen, wenn es die Zeit zulĂ€sst. Ihr Freizeitkonto wird allerdings stark davon abhĂ€ngen, wie weit sie kommt. Spegel startet im Einzel, Doppel und Mixed.
UnterstĂŒtzt wird sie von ihren Eltern, Freunden und Bekannten, die extra nach Paris kommen. "DarĂŒber freue ich mich sehr. Die Paralympischen Spiele werden fĂŒr mich eine groĂartige Erfahrung." Ăberhaupt sei die Vorfreude riesig. Nach dem abschlieĂenden Nationalmannschafts-Lehrgang in DĂŒsseldorf (bis 12. August) geht's am 23. August Richtung Frankreich, wo fĂŒr die 21-JĂ€hrige am 29. August im Mixed und Doppel das Abenteuer Paralympics beginnt.
Jana Spegel hat es geschafft: Sie wird bei den Paralympics antreten. Diese Leistung zeigt, wie wichtig eine gute Förderung im Sport ist. In Deutschland gibt es viele Initiativen, die junge Talente unterstĂŒtzen. Ein Beispiel dafĂŒr ist die Reform der Sportförderung Deutschland. Diese Reform zielt darauf ab, die Rahmenbedingungen fĂŒr Sportler zu verbessern und ihnen bessere Chancen zu bieten.
Auch auĂerhalb des Sports gibt es viele Möglichkeiten, Kinder und Jugendliche zu fördern. Ein gutes Beispiel ist die Initiative der SOS-Kinderdörfer. Diese Organisation setzt sich dafĂŒr ein, dass junge Menschen aktiv an gesellschaftlichen Prozessen teilnehmen können. Mehr dazu erfĂ€hrst du unter Jugendbeteiligung fördern SOS-Kinderdörfer. Hier kannst du sehen, wie wichtig es ist, jungen Menschen eine Stimme zu geben.
Ein weiteres spannendes Projekt ist das Playmobil Kunstprojekt Berlin. Dieses Projekt zeigt, wie KreativitÀt und Kunst junge Menschen inspirieren können. Es bietet ihnen die Möglichkeit, ihre Talente zu entdecken und zu entfalten. Solche Projekte sind wichtig, um die Vielfalt der FÀhigkeiten und Interessen von Kindern zu fördern.
